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Es geschah in Connemara

Buch 15 x 15 cm, 60 Seiten, 43 Abbildungen, 12,50 EURO | Bestellinfo Buch

Der Autor reist durch Irland. In Connemara, am Ufer des Lough Leenane, erlebt er eine fast unglaubliche Geschichte. Zwei Jahre darauf, am gleichen Ort, wird er selbst zum Akteur eines dramatischen Geschehens. Der Wahrheitsgehalt dieser Erzählung wird durch Fotodokumente reichhaltig und stimmungsvoll untermalt. Es geht um das Miteinander, um zeitbezogene Veränderungen in der Qualität einer Beziehung. Der Autor erkennt und handelt. Er greift ein, im wahrsten Sinne des Wortes und ist, im Nachhinein, um eine wichtige Erfahrung reicher.

AUS DEM INHALT:

ES GESCHAH IN CONNEMARA

Es ist Sommer. Ich bin Gast in Connemara, habe ein preiswertes und gutes Zimmer in einem mehr als 200 Jahre alten Hotel, am Ufer des Lough Leenane. Ich stehe an der offenen Balkontür, schaue über die spiegelnde Wasserfläche. Hinaustreten kann ich nicht. Es wäre auch nur ein Schritt, schon stände ich am Geländer, am rostigen. Tiefe Risse durchziehen den Bodenbelag von der Tür bis zu den Gitterstäben. Das kleine Etwas wird sich wohl nicht mehr lange an dem alten Gebäude halten können. Schade. Gerade die zierlichen Balkone waren es, die meinen Blick anzogen und mich anhalten ließen.

Kahle Bergriesen, von der in Ufernähe dunklen Wasserhaut noch dunkler reflektiert, schwingen sich hoch zum grauen Schmelz der schnell dahin ziehenden Wolkendecke, verbergen die wahre Größe und Gestalt vor den Augen des Reisenden. Ich bin froh, hier haltgemacht zu haben. Das, was mich umgab, als ich in der Eingangshalle stand, zeugt von besseren Tagen. Es wirkt auf mich wie eine Mischung aus Schloss, Herrenhaus, Museum, gastlichem Treffpunkt und Zufluchtstätte. Eine ehemals feudale Herberge. Heute sind die Übernachtungspreise nicht höher als in einem guten Bed and Breakfast Haus. Ich liebe diese Atmosphäre. Mit großem Respekt vor dem was mich umgab bin ich die breiten Marmorstufen hinaufgestiegen.

Ein silbriges Funkeln in Ufernähe zieht meinen Blick auf den altersschwach wirkenden Bootssteg, am Rande des Hotelgartens. Enten kauern auf den schwarzen Planken, putzen sich, recken sich, schlagen mit den Flügeln. Einige hell gefiederte Artgenossen treiben in der grauen Flut. Sie ziehen eine dunkle Spur hinter sich her. Spärlich belaubte Baumkronen säumen das Ufer. Sie heben sich nur schwach ab von der im Abendwind sich kräuselnden Wasserfläche. Es sind zwei Bäume die mir besonders auffallen. Täusche ich mich oder neigen sie sich zueinander? Die schlanken Stämme biegen sich, als würde eine unsichtbare gewaltige Kraft sie umfassen. Ich reibe mir die Augen, löse mich von dem Bild, schließe die hohe weiße Tür, ziehe den schweren rosafarbenen Stoff vor die schwarzen Scheiben.

Ich entschließe mich dem Bett am Fenster die Ehre zu geben, für diese Nacht und vielleicht noch für einige weitere. Die dicken grauen Decken werden schon vielen Reisenden gedient haben. Sie riechen so, eben alt, nicht unangenehm. Ich greife aus der Reisetasche was ich brauche, für die Nacht und für den Morgen, schlüpfe in eine weniger getragene Hose, lege ein frisches Hemd bereit. Im Bad eine hohe gusseiserne Wanne, eine aufs Notwendigste beschränkte Ausstattung, große mattglänzende Wasserhähne mit Porzellanaufsatz, alles alt, aber gediegen und funktionsfähig. Ehemals wohl weiße steife Handtücher hängen müde über dem Wannenrand. Ich entscheide mich für das rechte. (...)

Ich stehe hier im Hochland von Connemara. Was ich sehe ist karges Weideland, Steine, Fels, Schafe, ein Schäfer, ein Hund, eine schmale Asphaltstraße. Und dennoch, ich höre das Liebesgeflüster von Bäumen. Ich höre Kosenamen, raunen, kichern, necken. Ich sitze benommen in meinem Fahrzeug, lege eine zur Stimmung passende Kassette ein und fahre langsam weiter. Ich will von einem Pferd schreiben, nicht von Bäumen. Marsala ist ein junges Tier mit Feuer im Blut. Es kann nicht stillstehen. Marsala will mit den fliegenden Blättern tanzen, mit dem Wind um die Wette rennen. Marsala ist die Braut des Windes. Das ist die Story. Es geht auch um Liebe. Aber nicht um das Liebesgeflüster von Bäumen.

Ich schreibe in mein Reisenotizbuch: Dienstag 21:15 Uhr. Auf dem Bootssteg vor meinem Hotel. Nichts. Nichts habe ich geschrieben. Abgeblitzt bin ich, den ganzen Tag herumgefahren, herumgelaufen. Einmal wollte ich es erzwingen. Ich habe mich in einer abgelegenen Gegend niedergelassen, am Ufer eines kleinen Sees. Vor mir Schilf, Sumpfland. Dahinter eine schöne grüne Bergkulisse. Es war die Landschaft in der Marsala leben sollte. Ich habe den Bleistift gespitzt und begonnen. Drei Sätze waren es, die eine Stunde später auf meinem Blatt standen, angefügt an das, was ich in Sizilien geschrieben habe. Kümmerliche drei Sätze. Ich habe mich erhoben, die Glieder steif, aber nicht vom Schreiben. Was war los? Vielleicht das Thema zu hoch angesiedelt? Die Zeit noch nicht reif? Wer weiß? Vielleicht schaffe ich es irgendwann. Ich komme auf jeden Fall noch öfter nach Connemara.

Sie ist geplatzt, die Seifenblase, die mich umgab. Die Wolke, auf der ich die letzten Urlaubstage in dieser Landschaft verbringen wollte, hat mich sanft abgesetzt, hier auf diesem morschen Bootssteg. Desillusioniert und nackt, so fühle ich mich. Es ist Zeit aufzubrechen. Morgen möchte ich früh ... Was ist? Ich wende mich um. Da ist jemand. Ich habe es deutlich gehört. Ich fühlte mich angesprochen, vernahm auch ein Kichern. Es ist schon sehr dunkel. Ich sehe nur schwarzes Geäst, dahinter die hell erleuchteten Hotelfenster. Nein. Das ist kein Traum. Ich liege nicht im Bett. Meine Hände krallen sich an die alten Balken, auf denen ich sitze. Ich sehe sie nun dicht vor mir, die beiden Bäume, die Kronen zueinander geneigt, die Zweige wie ein feines Flechtwerk ineinander verwoben. Es sind die gleichen die ich gestern Abend von meinem Fenster aus sah. Sie flüstern, scherzen. Ich verstehe sogar Worte.

Du bist heute sehr struppig und stürmisch. Weißt du das?

Wieso? So bin ich doch immer. Oder möchtest du ...?

Ach Liebster. Es war nur ein Scherz. Aber ein wenig zu stürmisch bist du schon. Oh ...

Entschuldige, Schatz. Ich bin nun vorsichtiger. Soll ich ...?

Nein. Du weißt doch, dass ich das mag. Ich liebe dich, so wie du bist. Komm, drück mich ganz fest. Du bist mein Großer, Starker. Ich brauche das. Es ist so schön, wenn du mich umfasst. Keine Angst, du tust mir nicht weh.

Hm, fühlst du dich gut an. So zart und weich habe ich dich noch nie empfunden. Weißt du, dass deine Blätter von Tag zu Tag voller und grüner werden? An deinen Zweigen entdecke ich jeden Abend neue Blüten. Einige haben sich schon geöffnet. Du wirst von Tag zu Tag hübscher, deine Krone voller. Deine ...

Hör auf, du Schmeichler. Ich glaube dir kein Wort. Ich weiß, was du willst. Ich kenne dich.

Was will ich denn? Es ist nichts, was du nicht willst. Das weißt du, Schatz. Natürlich, ich ...

Natürlich. Natürlich. Ich mag ja alles was du magst. Besonders schön ist es, wenn du am Abend deine Zweige in meine windest. Wenn du das zart und sanft machst, weißt du? Dann spüre ich dich ganz und gar. Deine Wärme durchdringt mich wie die frühe Morgensonne. Nein. Wärmer. Viel wärmer. Dann bin ich nicht mehr ich. Dann bin ich ein Teil von dir. Ich liebe deinen kräftigen Stamm, dein eigenwillig geformtes struppiges Geäst, deine raue Blätterhaut. Du weißt wie gut du gewachsen bist, Liebster.

Ach, das ist nicht der Rede wert. Du bist die Schönste und Begehrenswerteste am ganzen Seeufer. Was sage ich ...

Am ganzen Seeufer hast du gesagt. Das hast du doch gesagt, oder? Hast du das gesagt?

Natürlich, am ganzen Seeufer.

So, so. Am ganzen Seeufer. Woher weißt du das?

Hm. Ich meine ... Ich wollte sagen ... Ich wollte ... Natürlich nicht am ganzen Seeufer. Natürlich nur soweit ich schauen kann, Schatz.

Aha. Nun machst du eine Einschränkung. Dachte ich es mir doch.

Wieso Einschränkung? Du weißt, wie schön du bist. Das muss ich dir gar nicht sagen.

Du hast Recht. Ich weiß es. Und wie gut es sich trifft, dass gerade du neben mir stehst.

Wieso? Würdest du denn auch mit einem anderen ... Ich meine, wenn nun ein anderer Baum neben dir stände ...?

Schatz. Ich mag keinen so wie dich. Es gibt keinen anderen. Kannst du nicht noch ein wenig näher ...? Nein? Aber etwas fester kannst du schon. So ist es gut. Wie ich den Geruch mag.

Geruch? Hast du Geruch gesagt? Willst du damit sagen, dass ich rieche?

Natürlich.

Wie denn? Heißt das ...? Soll ich vielleicht ...?

Du Dummer. Du riechst wunderbar, so, wie ein gesunder, kräftiger, großer Baum eben riecht.

Willst du damit sagen, dass alle gesunden, kräftigen, großen Bäume so riechen wie ich?

Ja.

Dann weiß ich nicht, wieso du den Geruch magst. Das würde ja bedeuten ... Also ... Und woher weißt du das?

Was?

Das.

Liebster. Bitte hör auf dir über solche Dinge Gedanken zu machen. Komm, halte mich fest. Du bist ein ganz besonderer Baum. Keiner hat so kraftvolle und gut geformte Äste wie du. Ich liebe alles an dir.

Auch den dünnen langen, den ich immer erst durch deine hindurch winden muss, wenn wir ...?

Auch den.

Auch den dicken krummen mit den kratzigen Verästelungen, der so fest an deinen Stamm drückt, wenn wir ...?

Den besonders.

Du magst mich wirklich.

Das sage ich doch. Komm, lass uns den Abend genießen, Schatz.

Aber ...

Was aber?

Es gibt viele Bäume, die so sind wie ich. Auch welche mit langen dünnen Ästen und dicken krummen, mit ...

Ich weiß.

Du weißt das? Und ...?

Was und ...?

Und?

Es gibt kein Und.

Natürlich. Es gibt immer ein Und.

Schatz, es gibt keinen größeren, schöneren, besseren ... Es gibt für mich nur dich. Spürst du das denn nicht?

Doch. Natürlich. Entschuldige, Liebste.

Ich glaube, es ist jetzt dunkel genug. Ich glaube ...

Ich glaube das auch.

Du bist der Größte, der Schönste, der Stärkste, der ... Oh. Du bist ...

Ich habe mich erhoben. Ich glaube, ich sollte mich zurückziehen. Ich fühle mich unwohl, wage kaum zu atmen. An der Hotelbar bestelle ich ein großes Guinness. Der junge Mann, der mich bedient, scheint sehr sensibel. Ob er weiß was in mir vorgeht? Ich sitze da, schlürfe den cremefarbenen Schaum und höre Stimmen. Ich lausche. Ich lächle. Der junge Mann lächelt auch. (...)

Zwei Jahre sind vergangen. Ich bin wieder einmal an der Westküste Irlands. Zwei Wochen habe ich schon auf der Insel verbracht, im Süden, habe geschrieben, an einem Theaterstück. Ich bin zufrieden mit mir, bin in guter Stimmung. Die Tage fliegen. Ich möchte sie festbinden. Es gibt noch soviel zu erleben, zu entdecken, in diesem Land und in mir selbst. Die Gedanken drängen. Diese Farben. Der Wind. Die spärliche Vegetation. Der Wechsel der Witterung. Es ist mir als seien meine Wurzeln in dieser Landschaft. Nein. Es ist mehr. Ich fühle mich selbst reflektiert. Ich habe neue Reisebegleiter. Sie sitzen hinter mir auf der Rückbank meines Fahrzeugs, sind gut gelaunt, möchten wissen, wie es weitergeht. Zwei davon sind Könige. Ich glaube, ich werde das Theaterstück The Kings nennen.

Aiguïse: Summ, summ, zwitscher, zwitscher, tirilie, trallala, kikeriki. Der Tag. Majestät, der Tag ist da. Tirilie, trallala. Zwitscher, zwitscher ... Nein, das hatte ich schon.

König schmatzt, reckt sich, die Augen noch geschlossen, gähnt: Uaa ... Was für ein Tag?

Aiguïse: Der 3.214te Eurer Herrschaft, Majestät.

König gähnt, die Augen geschlossen: Uaaaa ... Drück dich präziser aus.

Aiguïse: Der 12.893ste Eurer irdischen Existenz, Majestät.

König gähnt, die Augen geschlossen: Uaaaaaa ... (...)

Die Sonne im Gesicht, den Wind im Haar, unter mir summen schwere Schiffsmotoren. Ich habe die Augen geschlossen. Wahrscheinlich lächle ich. Mit Sicherheit lächle ich, ganz gleich was die Leute neben mir denken. Das große offene Fährschiff bringt mich über den Shannon. Ich bin auf dem Weg nach Norden. Ich denke an das, was ich am Ufer des Lough Leenane in Connemara erlebt habe. Wahrscheinlich werde ich zwei Bäume vorfinden die sich in nichts Wesentlichem von anderen unterscheiden. Ich werde einige Abende und Nächte in dem schönen alten Hotel verbringen. Vielleicht bekomme ich das gleiche Zimmer. Ach was. Es ist unwichtig. Ich möchte nicht mehr schreiben, bei dieser Reise. (...)

Klick macht es. Und noch einmal klick. Es ist noch da, das Liebespaar. Wieso auch nicht. Im tiefen Licht des späten Nachmittags für mich ein Fotomotiv besonderer Art. Die beiden haben sich kaum verändert. Etwas größer sind sie. Ich kann nun unter ihnen stehen, ohne dass mein Kopf an etwas rührt. Voller sind sie, runder, in den Zweigen ausladender, dichter im Blätterwerk. Es sind zwei Bäume von stattlicher Gestalt. Durch ihr grünes Kleid streicht ein feiner Wind. Es scheint ihnen gutzugehen. Auch der Bootssteg ist noch so, wie ich ihn in Erinnerung habe. Überhaupt, hier scheint die Zeit einem anderen Rhythmus zu unterliegen. Die gediegene und würdige Ausstrahlung der Hotelfassade beeindruckt mich noch immer. Der Balkon, von dem ich glaubte, dass er sich nicht mehr lange halten könne und alle anderen scheinen die zwei Jahre gut überstanden zu haben. Die große doppelflügelige Tür an dem Raum in dem ich damals geschlafen habe ist weit geöffnet. Am Geländer baumelt ein buntes Kleidungsstück. (...)

Das Essen war mäßig. Die junge Frau hat mich nicht gefragt, ob es geschmeckt hat. Gut so. Ich habe ihr dennoch ein großzügiges Trinkgeld gegeben, mich für den guten Service bedankt, ihr Erröten genossen wie ein sehr sehr gutes Dessert. Nun sitze ich in einem gemütlichen Sessel direkt am Kamin, kommuniziere mit dem eigenwilligen Knistern und Knacken, dem anhaltenden Summen der schwelenden Torfscheite und mit dem Rest des Rotweins in meiner Flasche. Ich werde den Abend im flackernden Feuerschein ausklingen lassen und versuchen einen Teil meiner guten Stimmung zurückzuerlangen. Lesen kann ich nicht, bei dem geringen Licht. (...)

Ich schaue auf meine Uhr. Es ist kurz nach zehn. Ich wende den Kopf. Kaltes Mondlicht und der schwache Schein einer Straßenlaterne brechen sich in den unzähligen Tropfen, die an der Fensterscheibe haften. Es regnet nicht mehr. Auch der Wind hat nachgelassen. Im Hintergrund ist Stille. Die Bäume stehen schwarz und reglos vor der silbrighell glitzernden Wasserfläche. Ich habe mich erhoben. Ich  bin müde. Auch in meinem Kopf ist Stille. Ich zahle. In der Halle wende ich mich, ohne dass ich es vorhatte, zur Tür und trete hinaus. Die Luft ist feucht und frisch. Ich atme sie tief ein. In den blanken Pfützen spiegelt sich der wolkenschwere Nachthimmel. Ich sehe nur wenige Sterne. Es drängt mich. Es zieht mich. Obwohl ich ein wenig friere, begebe ich mich auf den nassen Asphalt der Landstraße. Ich folge ihr bis zu dem kleinen von Bruchsteinmauern gesäumten Weg, der zum Seeufer führt. Der Boden ist weich, zerfurcht, von Wasserrinnsalen durchzogen. Ich habe Mühe voranzukommen, denke an meine Schuhe, springe. Ich höre etwas. Es sind Stimmen. Ich kenne sie. Ja, tatsächlich, es sind die beiden. Ich stehe still und lausche in die Finsternis.

Was soll schon sein? Nichts.

Eben. Aber das seit Wochen. Was ist mit dir? Magst du mich nicht mehr?

Doch. Wäre ich sonst hier?

Wärst du lieber woanders? Sei ehrlich.

Nein.

Komm.

Komm. Das ist alles, was du noch zu mir sagst. Komm. Das höre ich jeden Abend. Ich mag nicht mehr. Warum musst du dich so an mich klammern? Du erdrückst mich. Ich will einmal eine Nacht ruhig schlafen. Ich habe ein Recht darauf. Ich bin kein Spielzeug für müde, übergewichtige ...

Müde, übergewichtige ... Damit meinst du ...?

Wen sonst? Siehst du hier noch so einen wie dich?

Nein.

Also.

Schatz, sei lieb. Sei wie immer. Komm ...

Ich bin lieb. Ich bin wie immer. Ich möchte auch so bleiben. Wenn du mich nur in Ruhe lassen könntest. Sag nicht immer Schatz zu mir und nicht komm. Ich kann diese Worte nicht mehr hören. Schlaf jetzt.

Wie soll ich schlafen ohne ...? Komm ... Ich meine ... Bitte lass uns ...

Ich möchte nicht. Respektiere das. Lehne deine Krone an meine. Das ist sehr, sehr schön. Schlaf jetzt.

Ich kann so nicht schlafen.

Was kannst du denn ohne mich? Wie du da stehst. Hast Mühe, deine Äste hochzuhalten. Kein Wunder. Sie sind widerlich lang und struppig. Es sticht und kratzt mich überall, wenn ich nur daran denke.

Du hast dich sehr verändert.

Ich?

Ja du.

Ich bin wie immer.

Das stimmt nicht. Sei kritisch zu dir selbst. Was du heute ablehnst hast du einmal sehr gemocht. Du hast es mir oft gesagt. Natürlich sind meine Äste länger geworden. Natürlich ist meine Blätterhaut rauer, aber auch deine. Du hast dich ebenso verändert. Unsere Umarmungen sind auch für mich nicht mehr das was sie einmal waren. Ich spüre schon lange, dass du dich innerlich mehr und mehr von mir entfernst. Schade. Es war eine gute Zeit mit dir. Für mich die schönste.

Für mich auch. Aber was ist nur los mit uns? Woran liegt das, diese Veränderungen? Sie sind doch da. Was glaubst du? Liegt es wirklich an mir? Habe ich mich so verändert?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es mir weh tut und dass ich ohne dich nicht sein kann.

Meinst du mir geht es anders? Ach Schatz. Nimm mich. Halte mich fest. Ganz fest. Ja. So.

Du weinst.

Es ist nur der Wind. Aber du weinst.

Es ist wirklich nur der Wind.

Ich stehe benommen auf der Landstraße, atme schwer. Mir ist übel. Das habe ich nicht erwartet. Etwas ist in mir gerissen, ein Bild zerstört. Ich hätte nicht mehr herkommen dürfen. Wie kann ich jetzt schlafen? In den Gastraum? Nein. Ich möchte niemanden sehen, nur gehen. Das ist es. Gehen. Gehen. Gehen. Stille umringt mich, belauert mich. Schritte begleiten mich. Meine Schritte. Ich möchte ihnen entrinnen. Das im Mondlicht grau schimmernde Asphaltband verschwimmt vor meinen Augen, löst sich auf, fließt wie eine dicke träge Masse unter mir dahin. In meinem Kopf brummt und summt es. Ich möchte etwas tun, den beiden helfen. Aber wie kann ich das? Ich spüre eine Last auf meinen Schultern. Etwas Kaltes umschließt meine Brust. Ich möchte es abschütteln. Es sitzt fest. Die Schritte werden größer, lauter, härter. Ich laufe, laufe, laufe. (...)

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